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Kalka 3

Wir hatten einige Probleme in letzter Zeit. Er nervte mich, ich nervte ihn und wir lebten so nebeneinanderher. Es war aber in der Realität nicht schlimm, nur waren wir das nicht gewohnt, weil wir uns schon immer so gut verstanden haben. Das war eben jetzt nicht mehr so und das raubte uns ganz schön die Lust.
     Dann aber habe ich mich entschlossen zu reden. Darüber, dass ich die Trennung von Ahriman noch nicht wirklich überwunden habe, dass ich deswegen immer noch Schuldgefühle habe und dass ich mich generell beim Gedanken daran nicht wohlfühle, dass ich mit jemanden so "brutal" und so schnell Schluss gemacht habe.
     Jetzt ist alles wieder gut.
     Wir quatschen wieder über die blödesten Sachen und haben viel guten Sex. Es tut gut, ihn endlich wieder unbelastet zu sehen. Und dass er sich über uns wieder freuen kann. Sogar unser Essen hat sich dadurch verändert! Vorher gabs nur Fertiggerichte, gestern haben wir sogar eigene Laugenbrötchen gemacht! =D
      Er tut wieder gut.
20.6.11 16:06


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Kalka 2

Manchmal ist es hart, diese Beziehung zu führen. Sven ist mir in den meisten Dingen ziemlich ähnlich; wir haben fast in allen Sachen den gleichen Geschmack und - was noch wichtiger ist - wir haben denselben seltsamen, schwarzen und albernen Humor.
     Und doch...
     ... und doch ist er anders. Schwermütiger. Weniger selbstbewusst. Leichter aus der Fassung zu bringen. Im Gegensatz dazu bin ich eine Frohnatur, die alles eher leicht nimmt, sagt: "Das wird schon klappen!" und es dann einfach macht.
     Manchmal hat er für mich unverständliche Ängste, die mir einfach nicht in den Sinn kommen würden. Eigentlich nichts, was man nicht mit einem Schulterzucken wegzaubern könnte. Weil es einfach unwahrscheinlich ist, dass etwas Schlimmes passiert! Aber Sven steigert sich da leicht hinein und ist nur schwer aus diesem Loch herauszuholen. Vor mehr als einem Monat oder so hatte er eine Panikattacke wegen einer Kleinigkeit (für mich) und ich hab kaum gewusst, wie ich ihm helfen soll. Wie holt man einen Menschen aus einem Tunnel, den er sich selbst gegraben hat? Und wie kämpft man gegen irrationale Ängste, die man eben nicht durch rationale Argumente verscheuchen kann? Als meine Phrasen und Standardsätze schon fast aufgebraucht waren und ich ihm schon zum zehnten Mal erzählt habe, dass er sich darüber keine Sorgen machen muss, hat er sich wieder gefangen. Ich glaube nicht, dass es an mir gelegen ist. Vielleicht hat ers kaschiert, dass er noch Angst davor hat. Oder er war es leid, von mir zugetextet zu werden.
     Damals hats also irgendwie geklappt. Aber ich weiß einfach nicht, wie ich das das nächste Mal schaffen kann. Ich kenne mich in solchen Sachen nicht aus, hab noch nie so eine Situation vorher lösen müssen. Klar könnte ich jetzt sagen: Das wird schon, daran werde ich wachsen und mit der Zeit werde ich es dann können. Aber ich glaub nicht daran, dass es so einfach wird. Sven hat das jahrelang geübt - sich in seinen Hasentunnel so tief einzugraben, dass es ein Erdbeben braucht, um ihn da heraus zu locken - ich fang doch aber gerade erst damit an!
     Es gibt sie eben, diese schlechten Tage, wo er nur darauf wartet, sich zu verkriechen. Und ich hab nicht immer die Kraft dazu. Heute beispielsweise. Ihm gehts nicht so gut, er ist quengelig und lässt sich nicht durch meine halbherzigen Sätze aufmuntern. Aber ich habe heute nicht die Kraft dazu. Ich wollte alleine sein; ehrlich gesagt, weg von ihm und seinem schwarzen Loch.
     Ich warte darauf, dass er sich nichts selbst rein schubst. Und wenn doch, ob er alleine da raus kommt. Aber am Abend wird er wieder bei mir sein, sich an mich kuscheln und ich werde ihm helfen, wies meine Aufgabe ist. Aber jetzt bin ich für mich da.
8.6.11 16:05


Kalka 1

Die Sonne war schon untergegangen, eine seltsam blaues Zwielicht herrschte in meinem Zimmer. Er lag auf mir, noch verschwitzt vom Sex und atmete an meiner Schulter. Der Moment war verzaubert, er schien einzigartig. Das verleitete mich dazu, diesen Satz, diesen dummen, unüberlegten Satz zu flüstern: "Erinnere mich daran; sollte ich diesen Moment jemals vergessen, erinnere mich daran!"
    Er rührte sich nicht. Nach einer Weile hob er den Kopf und ich sah eine Träne auf meinem Oberarm liegen. Den Anblick konnte ich nicht ertragen und mir kamen selbst die Tränen. Was hatte ich da gesagt? Und vor allem: was dachte er jetzt darüber?
     "Ich will nicht, dass du das einmal vergisst. Ich will nicht, dass wir das vergessen!", klagt er flüsternd.
     Ich erkannte entsetzt, dass er naiv war, weil er nicht dieselben Erkenntnisse gewonnen hat, nicht gewinnen konnte - war dies doch seine erste Beziehung! Ich hingegen hatte entdeckt, dass solche Momente am Anbeginn einer Beziehung im Laufe der Zeit vergessen werden. Man erinnert sich nicht daran; die Gedanken verstauben und zerfallen zu nichts, wenn man nichts dagegen tut. Ich hatte nichts dagegen getan.
     Wir klammerten uns aneinander und konnten die Tränen des anderen nicht ertragen. Was sollte ich ihm jetzt sagen? Die schonungslose Wahrheit, dass die Wahrscheinlichkeit des Vergessens sehr groß ist? Oder doch die romantische Lüge, dass uns das sicher nicht passieren wird? Ich wollte ihn schließlich nicht noch mehr verletzen. Ich entschied mich für die optimistische Wahrheit: "Es ist wahrscheinlich, dass wir das irgendwann vergessen oder einer von uns - mir ist das schon passiert. Aber ich kann dir versprechen, mein Möglichstes zu tun, um das zu verhindern!"
     Er nickte und schluckte die restlichen Tränen hinunter. Nach ein paar Minuten Schweigen flüsterte er erneut: "Ich hatte solche Angst. Wir hatten letzte Woche kaum Sex und du hast mir das doch von deiner letzten Beziehung erzählt* und da dachte ich, ..."
     "Dass ich dich nicht mehr liebe??"
     Er nickte.
     Ich konnte es nicht fassen. Er hatte nichts verstanden von dem, was ich ihm erzählt hatte, oder aber ihn hatten seine Selbstzweifel wieder einmal übermannt. Unter neuen Tränen setzte ich mich auf, weg von ihm und krächzte verzweifelt: "Wie kannst du nur? Wie kannst du nur so etwas sagen? Wie kannst du mir nicht glauben, dass ich dich liebe? Habe ich es nicht genug bewiesen?"
     Sven** lässt sich schnell von seinen Dämonen einwickeln und sieht dann nicht mehr klar, wie der tatsächliche Sachverhalt wirklich aussieht. Doch das tat weh, unglaublich weh, dass er mir einfach nicht vertraute oder mit mir redete! Das mit letzter Woche lag einfach daran, dass ich unter Zeitdruck gestanden bin und mir ein großes Schlafschuldenpensum aufgebaut hatte. An nichts anderem! Er sah seinen Fehler aber schnell ein, versicherte sich noch ein letztes Mal, dass diese seltsame Situation nicht das Anfang vom Ende sei und entschuldigte sich dann minutenlang für sein Verhalten.

     Danach lagen wir noch friedlich in der Dämmerung im Bett und fühlten uns näher als je zuvor. Wir hatten uns alles verziehen, alles erzählt, alles geklärt und das fühlte sich verdammt gut an. Aber wir wusten beide, dass solche Momente wieder und wieder kehren würden - die grausamen wie die wundervollen Augenblicke.



* die letzten Monate hatte es mit dem Exfreund kaum Sex gegeben, ich fühlte mich nicht mehr zu ihm hingezogen und fand seine Annäherungsversuche abstoßend
** Name geändert
30.5.11 17:37


Wider das Vergessen

Eine Kalka ist (im Anathem-Universum) "eine Erklärung, Definition oder Lektion, die maßgeblich zur Entwicklung eines größeren Themas beiträgt, jedoch vom eigentlichen Dialog abgetrennt und in einer Fußnote oder einem Anhang zusammengefasst ist."
     Dieser Blog ist die Fußnote zu meinem Alle-Welt-kennt-ihn-Blog und soll als Tagebuch fungieren - als Tagebuch meiner Beziehung. Er soll nicht zur Unterhaltung dienen, sondern mir Erkenntnisse bringen und Erinnerungen bewahren.


WIDER DAS VERGESSEN.
30.5.11 17:05





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